Andreas, die Gerontopsychiatrie befindet sich im Wandel: Was sind aktuell die grössten Herausforderungen?
Wir sehen eine zunehmende Zahl an Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind. Dadurch nehmen auch die Fragestellungen im ambulanten und häuslichen Bereich zu. Damit Betroffene möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben können, braucht es eine intensive Betreuung, etwa durch speziell geschulte Fachärztinnen und -ärzte, Pflegefachpersonen oder Besuchsdienste. Den Ausbau der fachlichen Expertise sehen wir als Herausforderung – und zugleich als Voraussetzung, um gute Arbeit leisten zu können.
Wie haben sich die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten in den letzten zehn Jahren verändert?
Betroffene und Angehörige sind heute deutlich besser über das Angebot und die Möglichkeiten der Betreuung informiert. Sie erkundigen sich aktiver über rechtliche Möglichkeiten wie z. B. Vorsorgeaufträge und Patientenverfügungen. Ambulante Dienste wie Amnesia Zug, SRK oder Pro Senectute werden vermehrt nachgefragt. Viele wünschen sich, länger und selbstbestimmt zu Hause zu leben und sich aktiv an der Betreuung zu beteiligen.
Wo liegen in der Praxis die grössten Hürden?
Platzierungen in externe Institutionen gestalten sich oft schwierig und herausfordernd. Umso wichtiger ist es, mit unseren Netzwerkpartnern gut zusammenzuarbeiten und sie auch zu schulen und zu begleiten. Manchmal hat man das Gefühl, dass es noch mehr ambulante Betreuungsplätze wie Tagesbetreuungen oder Wohnheimplätze bräuchte.
Du bist seit 16 Jahren in der Klinik Zugersee. Was hat dich persönlich am meisten geprägt?
Am meisten freut mich, dass der familiäre und freundschaftliche Charakter erhalten geblieben ist. Trotz vieler Änderungen und Erneuerungen steht die Arbeit am Patienten im Mittelpunkt. Unsere Arbeit ist geprägt von gegenseitigem Respekt und Professionalität. Auch dass der Humor nicht zu kurz kommt, ist mir wichtig – denn dieser hilft oft in schwierigen Situationen.
Danke für das interessante Gespräch!