Einblick Station Privé
«Jeder Therapieplan ist ein Unikat»
Alena Ruckstuhl ist fallführende Psychologin auf der Station Privé der Klinik Zugersee. Im Gespräch erklärt sie, wie ein individueller Therapieplan entsteht – und warum der Weg zur Genesung bereits vor dem ersten Kliniktag beginnt.
Alena Ruckstuhl, wie beginnt ein Aufenthalt auf der Station Privé?
Mit einem Vorgespräch – also bereits vor dem Eintritt. Wir klären gemeinsam mit der Patientin / dem Patienten: Passt unser Angebot zur Symptomatik? Und entspricht es den persönlichen Bedürfnissen? Beides muss stimmen.
Was passiert, wenn diese Passung nicht gegeben ist?
Dann suchen wir gemeinsam nach Alternativen – innerhalb der Klinik oder anderswo. Gute Behandlung beginnt mit der richtigen Indikation. Das ist keine Floskel, sondern Grundvoraussetzung.
Und wie geht es nach diesem Erstgespräch weiter?
Jede Behandlung startet mit einer differenzierten Diagnostik. Darauf aufbauend erarbeiten wir gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten einen individuellen Therapieplan – abgestimmt im interprofessionellen Team aus Ärztinnen, Psychologinnen und weiteren Fachpersonen. Einzel- und Gruppentherapien werden dabei sorgfältig aufeinander abgestimmt.
Wie entsteht dieser Plan konkret?
Immer im Dialog. Wir beziehen Ressourcen, Belastbarkeit und persönliche Ziele ebenso ein wie unsere klinische Einschätzung und die unserer Ärztinnen und Ärzte. Innerhalb eines strukturierten Wochenrahmens gestalten wir einen individuellen Plan. Deshalb ist jeder Therapieplan ein Unikat: Er orientiert sich an der Person – nicht umgekehrt.
Wie intensiv ist die Behandlung auf der Station Privé?
Wir arbeiten mit hoher, aber gezielt eingesetzter Therapiedichte. Das heisst: Drei psychotherapeutische Einzelsitzungen pro Woche, ergänzt durch Gruppenformate wie Kunst-, Musik- und Bewegungstherapie, Schlafgruppen oder das Training emotionaler Kompetenzen. Hinzu kommen Angebote wie Yoga, Physiotherapie, medizinische Massagen, Fitness und Entspannungsverfahren sowie Kultur- und Freizeitangebote, die bewusst Teil des Aufenthalts sind.
Gerade bei Burnout stellt sich die Frage nach der richtigen Dosis.
Absolut. Bei Erschöpfungszuständen gilt häufig: weniger ist mehr. Wir dosieren die Intensität bewusst und passen den Therapieplan bei Bedarf an.
Kreative Therapien wie Maltherapie werden von Angehörigen oft hinterfragt. Was leisten sie tatsächlich?
Sie eröffnen einen anderen Zugang. Viele Patientinnen und Patienten haben das Gespür für eigene Bedürfnisse verloren. In der Kunst- oder Bewegungstherapie müssen sie weder erklären noch funktionieren. Emotionen können sich nonverbal ausdrücken – das ist oft ein wichtiger Schritt zurück zur Selbstwahrnehmung.
Welche Rolle spielt die Gruppe im therapeutischen Prozess?
Eine zentrale. In der Gruppe entsteht häufig das Erleben, mit den eigenen Schwierigkeiten nicht allein zu sein. Diese Erfahrung wirkt entlastend und stärkend – und lässt sich im Einzelsetting so nicht herstellen.
Der Austritt gilt als besonders sensible Phase. Wie werden Patientinnen und Patienten darauf vorbereitet?
Wir planen den Austritt bereits vom ersten Tag an mit. Der Übergang in den Alltag ist oft kritisch – deshalb organisieren wir frühzeitig die Weiterbehandlung: ambulante Psychotherapie, psychiatrische Spitex oder andere unterstützende Angebote. Ziel ist ein stabiles Netz, das über den stationären Aufenthalt hinaus trägt.
