Ist mein Vater plötzlich dement?

Im Bote der Urschweiz wurde uns folgende Frage gestellt:
„Seit einem Jahr ist mein 74-jähriger Vater vergesslicher geworden. Ich habe das als normale Altersvergesslichkeit betrachtet. Seit einer Woche nun ist er insbesondere abends und nachts unruhig und verwirrt. Seit dieser Zeit geht er auch sehr häufig aufs WC. Ist er plötzlich dement geworden und vergisst, dass er gerade auf dem WC war?“
Ulrike Darsow, Oberärztin an der Klinik Zugersee antwortet:
„Eine akute Demenz gibt es nicht. Diese Erkrankung beginnt schleichend und wird daher meist erst wahrgenommen, wenn es zu Einschränkungen in der Alltagsaktivität kommt. Wahrscheinlich leidet Ihr Vater an einem Delir, einem akuten Verwirrtheitszustand. Ein solcher tritt häufig bei älteren Menschen nach Operationen oder bei akuten schweren körperlichen Erkrankungen auf. Bei betagten Menschen kann ein Delir aber bereits durch kleine Infekte, Verstopfung, Schmerzen oder Medikamenten etc. ausgelöst werden. Es kann bis zu zwölf Wochen andauern und erhöht die Sterblichkeit eines Menschen deutlich. Wichtig ist es, die Ursache zu suchen und zu behandeln. Gleichzeitig gibt es auch Medikamente, mit denen man das Delir selbst behandeln kann. Bei Ihrem Vater vermute ich, dass er eine Entzündung der Blase hat. Deshalb geht er wahrscheinlich so häufig auf die Toilette. Besonders anfällig für ein Delir sind Menschen, bei denen eine Demenzerkrankung besteht. Jedes Delir ist also ein Hinweis auf eine mögliche Demenz. Daher mein Rat: Gehen Sie mit Ihrem Vater zum Hausarzt, um die Ursache für das Delir suchen und behandeln zu lassen. Rund sechs Monate nach Abklingen des Delirs sollten Sie Ihren Vater zu einer ambulanten Demenzabklärung begleiten.“